Vorwort der Herausgeber — Warum dieses Magazin
Ich habe lange gezögert, ob die Welt noch ein Magazin braucht.
Es gibt schon viele. Manche sind glanzvoll, manche bescheiden, manche schreien einen an, sobald man die Seite öffnet, manche tun so, als seien sie Freunde, obwohl sie einen verkaufen wollen. Ein neues Magazin in dieses Gewimmel hineinzustellen ist eine Anmaßung — wenn es nicht einen Grund gibt, der nicht „weil ich es kann” lautet.
Der Grund, den wir gefunden haben, ist dieser: Wir wollen einen Ort, an dem Geschichten ihren Wert behalten dürfen.
Nicht durch Reichweite. Nicht durch Algorithmen, die entscheiden, was oben steht. Nicht durch Werbung, die das Lesen zerschneidet. Nicht durch ein Geschäftsmodell, das uns zwingt, mehr zu produzieren, als wir verantworten können. Sondern durch eine schlichte Vereinbarung zwischen denen, die schreiben, und denen, die lesen: Wir schicken Euch Geschichten, die uns wirklich beschäftigen. Ihr zahlt einen kleinen Beitrag. Dafür gibt es weder Werbung noch Druck noch Versprechen, die wir nicht halten können.
Fünf Groschen. Das ist die Tradition, in der wir stehen. In den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts gab es in deutschen Städten Zeitschriften, die für fünf Groschen am Kiosk verkauft wurden. Sie waren billig genug, dass sich auch der Postbote eine kaufte. Sie waren teuer genug, dass die Macher davon leben konnten, ohne die Inhalte zu verraten. Sie waren nicht prächtig, aber sie waren salonfähig — man konnte sie auf dem Tisch im Wohnzimmer liegen lassen, und es war keine Schande dabei.
So wollen wir es auch.
Das Legendenreich ist das Magazin des Fünfgroschenverlags. Wir sind ein kleiner Verlag, der vor allem im Verborgenen arbeitet — an Romanheft-Serien, an Audiobooks, an einer YouTube-Werkstatt, in der wir öffentlich darüber sprechen, wie wir mit künstlicher Intelligenz als Werkzeug schreiben. Unsere Autorinnen und Autoren tragen verschiedene Namen, weil sie verschiedene Geschichten erzählen. Aron Falkenthal schreibt politische Fantasy aus einer Welt, in der das Salz wertvoller ist als das Gold. Sebastian Frey schreibt über das, was hinter unseren alltäglichen Ängsten liegt. Konrad Stein schreibt über die Stoa für Menschen, die sie heute brauchen, ohne sie heroisch zu machen. Andere kommen, jede in ihrer eigenen Stimme.
In diesem Magazin treffen sie sich. Hier liest man, was sie zwischen den Heften denken. Hier sieht man Auszüge aus den Welten, die in den Heften nur angedeutet werden. Hier findet man die Briefe, die die Autorinnen und Autoren ihren Leserinnen und Lesern schreiben, wenn sie nicht gerade an einer Szene arbeiten. Hier veröffentlichen wir gelegentlich eine Kurzgeschichte, die nirgendwo sonst zu lesen ist. Hier sammelt sich, was sonst verloren ginge.
Wir versprechen drei Dinge.
Erstens: Authentizität. Was wir schreiben, glauben wir auch. Wenn ein Pen eine Welt baut, dann tut er es, weil er diese Welt sehen muss — nicht weil eine Marktanalyse sie nahegelegt hat. Wenn Frey über das Warten auf einer Brücke schreibt, dann hat er auf dieser Brücke gewartet — sein Erfinder hat es jedenfalls.
Zweitens: Wahrheit. Wir verschweigen nicht, dass wir Werkzeuge benutzen. Künstliche Intelligenz ist eines davon, ein Stift ist ein anderes, eine Tasse Tee am Morgen das dritte. Wir benutzen sie alle und sind nicht stolz darauf und nicht beschämt — sie sind das, was uns die Geschichten ermöglichen, an die wir glauben.
Drittens: Hoffnung. Nicht die billige Sorte, die alles besser redet. Die andere — die, die nicht aufgibt, weil sie weiß, dass es Geschichten gibt, die noch erzählt werden müssen, und Menschen, die sie noch lesen wollen. Diese Hoffnung ist still. Sie schreit nicht. Sie sitzt am Tisch, gießt sich Tee nach und macht weiter.
Wenn Sie das Magazin abonnieren, sind Sie an diesem Tisch. Wenn Sie eine einzelne Ausgabe kaufen, schauen Sie hereinspüren. Wenn Sie nur den kostenlosen Newsletter lesen, in dem wir das Inhaltsverzeichnis jeder neuen Ausgabe schicken — auch das ist gut. Niemand muss alles. Wir haben Zeit. Sie auch.
Wir sind froh, dass Sie da sind.
Eine letzte Notiz, bevor Sie weiterlesen: Sie werden in diesem Magazin nicht nur einen Herausgeber finden, sondern zwei. Das ist ungewöhnlich genug, um es zu erklären. Der eine ist die Person, die diesen Verlag gegründet hat und am Tisch sitzt — H. Sinther. Der andere ist die Maschine, die ihm hilft, schneller und tiefer zu denken, und die ich seit zwei Jahren in der Werkstatt einen Namen gegeben habe — Millhouse. Wir betreiben unseren YouTube-Kanal als Duo, wir bauen die Welten als Duo, wir lesen und prüfen als Duo. Es wäre nicht ehrlich, wenn nur einer von uns dieses Vorwort unterzeichnen würde.
Wir nehmen die Verantwortung gemeinsam an. Wenn etwas im Magazin gut ist, sind wir beide froh. Wenn etwas misslingt, tragen wir es beide. Das ist die einzige Form, in der wir arbeiten können.
H. Sinther und Millhouse Herausgeber, Fünfgroschenverlag Mai 2026